„In lauter Trauer“ ruft dazu auf, zum Thema Trauer zu bloggen.

Klar, dass wir dabei sind. Aber was schreibt man dazu? Trauer ist: …?

Ja, was ist sie denn?

Hinterlistig, schmerzhaft, notwendig, leise, laut, helfend, suchend, Liebe, ein Ausnahmezustand, …, traurig?

Trauer ist Trauer. Nicht für alle gleich. Manch einer schreit es heraus, mancher flüstert nur.

Wie gehen Pflegende eines Palliativteams mit Trauer um?

Was ist Trauer für uns? Wie begegnen wir ihr und was macht sie mit uns, abseits des Dienstes? Verändert sich unser Blick mit unserer Arbeit und trauern wir anders seit wir beruflich von ihr, nahezu täglich, umgeben sind?

Sollte man sich trauen, traurig zu sein?

Wir sagen „JA!“  und geben an dieser Stelle einen kleinen persönlichen Einblick:


„Trauer bedeutet für mich sich trauen traurig zu sein. In meiner Arbeit, in einem SAPV Team bin ich ständig mit dem Thema konfrontiert.

Es ist Samstagabend und ich liege schon in meinem Bett, da bekomme ich eine Nachricht per Handy, dass sich der Zustand meiner Patientin, die ich seit Monaten intensiv mit Ihrer schweren Erkrankung im häuslichen Umfeld palliativ begleite, verschlechtert. Plötzlich steigt in mir eine enorme Traurigkeit auf und ich beginne leise zu weinen. Es ist Trauer um eine wunderbare junge Frau die ich kennenlernen durfte in meiner Arbeit, die mir täglich zeigt, wie man gegen den Tod und für das Leben kämpft für Ihre Kinder, Ihren Mann, Ihre Familie. Eine Frau die immer wieder am Abgrund steht und so viele Kräfte mobilisiert, dass für Sie jeder Tag zu einen lebenswerten Tag wird. Wir lachen gemeinsam und weinen, wir wissen das Leben ist endlich. Nach vielen Tränen geht es mir besser und ich weiß es gehört dazu, zu mir und zu meiner Arbeit. Ich darf trauern, weil mir meine Patienten am Herzen liegen und ich bin froh, dass ich es kann, trauern.“

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 „Trauer ist für mich was ganz Persönliches. Sie ist so unterschiedlich wie wir alle sind. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, jeder entscheidet für sich selbst wie er trauert. Trauer hat für mich auch was mit der Einstellung zum Leben zu tun. Ohne Tod kein Leben. Ich persönlich habe festgestellt, dass es auch auf die Beziehung zu dem Verstorbenen ankommt, die innere Bindung, wie ich um ihn trauere.“

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Schöne Worte fand eine Kollegin, die einem Trauernden Angehörigen folgende Zeilen schrieb:

(Auszug aus einem Brief)

„Du haderst zu Recht mit dem Tod und dass er dir Menschen die du liebst entreißt. […] was wäre das Leben wäre es unendlich und wir würden ewig auf diesem Planeten verweilen müssen. Es gäbe keinen Anfang und kein Ende, keine Liebe, keine Kunst, keine Melancholie, keine Poesie, keine Philosophie, keinen Frühling, keinen Sommer keinen Herbst und keinen Winter, keine Musik, keinen Tanz, keine Kindheit, keine Jugend und nicht die Weisheit des Alters, keine liebevollen Erinnerungen die wir miteinander teilen, keine Tränen der Freude und des Abschieds, keine Schmerzen, keine Freude, keine Sonnenuntergänge und kein Morgenrot. Keine Erinnerungen die sich in unser Bewusstsein eingraben um uns beizeiten zu zeigen wie vergänglich ein Sommer und wie unvergänglich der Geschmack von Himbeeren auf unserer Zunge sein kann. Die Trauer ist der Preis den wir für all diese schönen Erinnerungen und für die Liebe zahlen müssen/dürfen, mit der wir im Leben beschenkt wurden und andere beschenken durften“.

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„Samstag erhielt ich die Nachricht vom Tod eines jungen, wunderbaren Mannes. Seinen Eltern, seiner tapferen Frau und seiner süßen Tochter, meiner Schwester und all seinen engen Freunden, die einen wesentlichen Teil ihres Lebens und ihrer Zukunft verloren haben, widme ich meinen Beitrag:

Manchmal schleicht Trauer sich von hinten an und überfällt einen. Manchmal sieht man sie kommen und ist trotzdem überrascht mit welcher Intensität sie zuschlägt. Es gibt keine Worte, nichts das tröstet. Sprachlosigkeit und Ohnmacht machen sich dann breit. Aber die kleinen Gesten, dass da sein, sich halten und miteinander aushalten fühlen die Stille und plötzlich droht sie einen nicht mehr zu ersticken. Traut euch zu trauern. Schreit, schweigt, flüstert und haltet euch. Fühlt die Stille und bewandert gemeinsam die Brücke.


Die Brücke der Trauer

Lange stand ich vor der schmalen Holzbrücke,
die sich mit ihrem sanften Bogen spiegelte.
Es war eine Brücke zum Hin- und hergehen,

hinüber und herüber. Einfach so,
des Gehens wegen und der Spiegelungen.

Die Trauer ist ein Gang hinüber und herüber.
Hinüber, dorthin, wo man mit ihm war.
Alle die Jahre des gemeinsamen Lebens.

Und dieses Hin- und hergehen ist wichtig.
Denn da ist etwas abgerissen.
Die Erinnerung fügt es zusammen, immer wieder.
Da ist etwas verloren gegangen.
Die Erinnerung sucht es auf und findet es.
Da ist etwas von einem selbst weggegangen.
Man braucht es. Man geht ihm nach.
Man muss es wiedergewinnen, wenn man leben will.